Geistlicher Klosterführer Lebensraum, Kloster Hirsau

Lebensräume aufspüren Im Kloster Hirsau

Kleines geistliches Klosterwörterbuch

Bindungen wagen:

Stabilität

»Bei seiner Aufnahme ins Kloster soll der angehende Mönch vor den versammelten Brüdern Folgendes versprechen: Beständigkeit, klösterlichen Lebenswandel und Gehorsam.«
{aus Kapitel 58 der Benediktsregel}

Durch das Gelübde der Beständigkeit bindet sich ein Mönch an ein bestimmtes Kloster und an die Gemeinschaft dort und verspricht, sein ganzes weiteres Leben an diesem einen Ort zu bleiben.

Dieses oftmals nur wenig bekannte Gelübde bildet einen Kontrast zu unserer Gegenwart, die stark von Mobilität und Flexibilität geprägt ist. Doch mit der Mobilität und Flexibilität üben wir zugleich eine wachsende Bindungsscheu ein. Wir haben Angst, eine dauerhaft gültige Ehe einzugehen {oder verlassen die Ehe vorzeitig wieder}, wir zögern damit, uns für einen bestimmten Beruf zu entscheiden, und auch über unsere Freizeitgestaltung entscheiden wir kurzfristig. Wir möchten uns alle Türen offen halten.

Unsere Seele braucht allerdings immer auch Beständigkeit. Wenn wir uns dauerhaft weigern, feste Wurzeln zu schlagen, werden wir anfällig für Depressionen und Gefühle der Haltlosigkeit. Die Regel der »Stabilitas« kann uns Mut machen, uns zu entscheiden, uns festzulegen und uns zu binden.