Geistlicher Klosterführer Lebensraum, Kloster Hirsau

Lebensräume aufspüren Im Kloster Hirsau

Kleines geistliches Klosterwörterbuch

Auszeiten nehmen:

Rückzug und Einsamkeit

»Wir wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn einrichten {…}. Die Werkstatt aber, in der wir das alles sorgfältig verwirklichen sollen, ist der Bereich des Klosters {…}
{aus dem Prolog & Kap. 4 der Benediktsregel}

Schon in den ersten Jahrhunderten nach Christus gab es immer wieder Menschen, die sich aus dem normalen, menschlichen Leben zurückzogen, um sich mit aller Kraft und Aufmerksamkeit Gott zuwenden zu können. Die ersten Mönche und Nonnen {sog. »Eremiten«} gingen dazu sogar in die Wüste. Sie suchten bewusst einen lebensfeindlichen Ort auf, um sich von allen Ablenkungen zu befreien. Auf diese Weise blieb ihnen nur Gott, auf den sie all ihre Liebe und Aufmerksamkeit konzentrierten.

Auch für uns heute gibt es eine Reihe von »Wüsten«, in denen wir uns plötzlich wiederfinden können: Krankheit, seelisches Leid, unfreiwillige Einsamkeit, Scheitern, innere Leere, seelenlose Arbeit und atemlose Hektik. Wenn wir aus diesen Orten nicht nur zu fliehen versuchen, sondern sie als unsere »Werkstatt« bewusst annehmen und Gott darin suchen, dann können uns diese Wüsten zu Orten echter Gottesbegegnung werden, zu Orten, an denen unsere Liebe zu Gott wächst.