Geistlicher Klosterführer Lebensraum, Kloster Hirsau

Lebensräume aufspüren Im Kloster Hirsau

Kleines geistliches Klosterwörterbuch

Ausgleich schaffen:

Gebet und Arbeit

»Wenn du etwas Gutes beginnst, bestürme Gott beharrlich im Gebet, er möge es vollenden.« {aus dem Prolog der Benediktsregel}

Gebet und Arbeit {»ora et labora«} sind das Zentrum mönchischen Lebens. Dabei dürfen Gebet und Arbeit keinesfalls gegeneinander ausgespielt werden. Vielmehr hilft den Mönchen das Gebet, ihre Arbeit auf gute Weise zu tun – eine Regel, die auch für uns heute noch gilt.

Denn zum einen entlastet uns das Gebet von der Arbeit. Viele von uns nehmen ihre Arbeit zu wichtig und grübeln auch nach Feierabend über viele Herausforderungen, Fragen und Probleme. Im Gebet und der geistlichen Erbauung lassen wir unsere Arbeit los und überlassen Gott, was er daraus macht.

Zum anderen klärt das Gebet die Motive, die uns bei der Arbeit bewegen. Wir neh­men uns oft selbst zu wichtig: Wir wollen Erfüllung, Geld, Macht, Anerkennung und Erfolg. Im ehrlichen Gebet erkennen wir vor Gott, wo wir uns zu sehr verglei­chen, wo wir zu stolz sind und wo wir zu viel wollen. Wir entdecken darin auch, wo wir uns zu den Grenzen des Machens bekennen dürfen.

Im Gebet entdecken wir, dass es nicht die Arbeit, sondern Gott ist, der unsere Sehn­süchte stillen will und kann.